Lieber halb als gar nicht

Die Gesellschaft vermittelt uns, dass es im Leben um "Alles oder Nichts" geht. Nur Experten zählen. Aber das ist nur eine Ausrede, um aufzugeben!

3 Min.

Ruchama Efrati

gepostet auf 24.11.19

Rabbi Nachman von Breslev erzählt in einer Geschichte von "Dem Klugen und dem Einfältigen" – "HaChacham veHaTam". Der Einfältige war ein Schuster, kein sehr guter Schuster. Er machte dreickige Schuhe und verdiente damit knapp sein Geld. Aber er war dabei fröhlich und zufrieden. Er dankte HaShem, dass er einen Schuh anfertigen konnte, und damit Geld verdiente. Er war froh, dass das er getan hatte, was er konnte.

 

Ein Einfältiger ist heute kaum etwas wert. Nur Experten kommen zu Wort, nur auf international anerkannte Fachleute sollte man hören. Wer mittelmäßig oder weniger in etwas ist, sollte es gar nicht erst versuchen. Ein Einfältiger sieht sich darum auch selbst oft als Misserfolg.

 

Nicht so der Einfältige in der Geschichte von Rabbi Nachman. Er vertraute auf HaShem. Wenn der Schöpfer ihm dieses Maß an Fähigkeiten gegeben hatte, dann würde er mit diesen Fähigkeiten das Beste machen. Und am Ende hatte er Erfolg, während der Kluge, der schnell zu unglaublichen Höhen aufgestiegen war, abstürzte.

 

 

Ich habe auch eine ähnliche Geschichte zu erzählen. Am Shabat Bereshit habe ich mir vorgenommen, drei Dinge anders zu machen. Am Sonntag und am Montag war das ganz einfach. Ich war überglücklich und ärgerte mich, mir nicht sogar mehr vorgenommen zu haben. Und plötzlich am Dienstag kam die Prüfung vom Himmel und alles war so schwer, ich schaffte es kaum, meine Vorsätze einzuhalten.

 

Ich hatte mir vorgenommen, meine Hitbodedut-Stunde besser zu gestalten. Aber plötzlich am Dienstag hat alles und jeder mich gestört und ich habe überhaupt keine Worte gefunden. Ich verstand, dass die Prüfung meiner Vorsätze gekommen war, und dass ich sie kaum bestehen würde. Ich verzweifelte…

 

Aberdann schickte HaShem mir den Gedanken: "Moment, Moment… Es geht hier nicht um alles oder nichts. Es geht um Ausdauer und Überwindung. Ein starker, fest sitzender und entschiedener Wille." Eine Stunde dazusitzen und Mantra-Artig zu wiederholen "Ich bin hier allein mit mir und HaShem" oder zu schweigen, das ist sehr viel wert! Es ist auf alle Fälle so viel besser als nichts und macht großen Eindruck im Himmel. Je mehr es geistlich zu erreichen gibt, desto stärker ist die Versuchung, aufzugeben.

 

 

Und so ist es mit allen Vorsätzen und Mitzvot. Auch wenn es nicht perfekt klappt. Ein dreieckiger Schuh – aber ein Schuh! Auch dafür müssen wir dankbar sein und es anerkennen. Vor HaShem zählen nicht nur Experten und Fachleute, sondern jede ernste Anstrengung. Ein bisschen ist besser als nichts. Und auf diese Art ist besser als gar nicht.

 

 

Das heißt natürlich nicht, dass man die Halacha nicht genau befolgen muss und keinen einzigen Halbsatz übertreten darf! Und das heißt auch nicht, dass man sich auf dieser Ansicht ausruhen darf! Aber wenn man die Mitzvot mal nicht voller Freude und völlig konzentriert befolgt, dann ist das immer noch besser, als sie überhaupt nicht zu befolgen! Man darf nicht aufgeben. Morgen geht es schon ganz anders, wenn du Ausdauer und Hartnäckigkeit übst.

 

 

Mehr von sich selbst zu verlangen, als im Moment möglich ist, ist ein Rat des Jezer Ra, des bösen Triebs. Denn so wird man am Schluss bestimmt komplett Scheitern. Es gibt nicht nur alles oder nichts. Es gibt auch teilweise und mittelmäßig, und das ist gut.

 

 

Als eine Freundin von mir am Anfang ihres Weges war, religiös zu werden, besprach sie mit einem Rabbiner, wie sie anfangen sollte, Shabat zu halten. Und das war sein Rat: Nimm eine Warmhalte-Platte und einen Samowar und mache das Licht an und aus, sodass du den ganzen Shabat über nichts ändern musst. Es fällt dir schwer, den ganezn Shabat ohne Fernseher? Okay, schalte ihn vor Shabat an und lass ihn den ganzen Shabat laufen. Du hast Entzugserscheinungen, wenn du den ganzen Shabat nicht rauchst? Rauche eine Zigarette statt den üblichen zwanzig, und lass sie von sich aus ausgehen.

 

Für jemanden, der Shabat hält, klingt das grauenvoll. Das ist doch kein Shabat! Aber der Rabbiner verstand ganz genau, dass sie mehr im Moment nicht einhalten konnte. Sie könnte den Fernseher aus lassen, aber nach ein, zwei Shabatot würde sie zerbrechen und das ganze Projekt "Shabat Halten" aufgeben. Also war das eine gute Lösung. Gut? Das war ausgezeichnet, wunderbar! So fängt man an. Denn es geht im Leben nicht um "Alles oder Nichts".

 

 

Also gib niemals aus, sondern zwinge dich, die Hälfte umzusetzen und sei damit zufrieden! Die zweite Hälfte wird kommen. "Alles oder Nichts" ist eine Ausrede, die nicht akzeptiert wird!

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