Auf dem Weg der Wahrheit gehen

Ich möchte über den Sinn der Arbeit in der mittleren Linie schreiben. Es ist wichtig, sich immer auf die linke und die rechte Linie zu stützen.

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Rabbiner Yehuda Ashlag

gepostet auf 13.08.2013

Rabbi Yehuda Ashlag, aus dem Buch „Frucht des Weisen“, Band „Briefe“,

Brief 17 aus dem Jahr 1925

Ich möchte über den Sinn der Arbeit in der mittleren Linie schreiben. Es ist wichtig, sich immer auf die linke und die rechte Linie zu stützen. Denn es gibt Fälle, in denen „sich fortzubewegen schlimmer ist, als faul dazusitzen“ (oder „Ruhen der Fortbewegung vorzuziehen ist“), um den Weg nicht zu verlieren. Denn der Weg der Wahrheit ist eine äußerst schmale Linie, deren Treppen man aufwärts steigt, bis man den königlichen Palast erreicht. Und jeder, dessen Weg am Anfang der Linie begann, soll sich davor hüten, nach links oder rechts von der Linie abzuweichen, wenn auch nur um eine Haaresbreite. Wenn seine Abweichung um eine Haaresbreite am Anfang ist, und er weiter auf der richtigen Gerade voranschreitet, wird er unter keinen Umständen den königlichen Palast erreichen können, weil er von Anfang an nicht die richtige Linie bewahrt hat.

Der Sinn der mittleren Linie besteht in der Erfüllung der Bedingung: „Die Tora, der Schöpfer und Israel sind Eins“. Denn das Ziel des Einzuges der Seele in den Körper besteht darin, dass diese, in einen Körper gehüllt, zu ihrer wahren Wurzel zurückkehrt und mit dem Schöpfer verschmilzt; denn es steht geschrieben: „Schließt euren Schöpfer in eure Herzen ein, geht Seine Wege, bewahrt Seine Gebote, verschmelzt mit Ihm.“ Daran erkennt man, dass das Ende des Weges in den Worten „verschmelzt mit Ihm“ besteht, das heißt so wie es vor der Einkleidung in den Körper war.

Man braucht aber eine gründliche Vorbereitung, die im Gehen auf allen Wegen des Schöpfers besteht. Und wem sind Seine Wege bekannt? Das ist „die Tora, die aus 613 Lichtern besteht“, denn, wer diesen folgt, korrigiert sich selbst so weit, dass sein Körper [= seine Verlangen] keine eiserne Mauer mehr zwischen dem Menschen und dem Schöpfer bildet. Denn darin besteht der Sinn der Aussage: „So habe ich das steinerne Herz von eurem Fleisch getrennt.“ Und dann verschmelzt ihr mit eurem Schöpfer – genau so war eure Verschmelzung mit Ihm, bevor sich die Seele in den Körper kleidete.

Wir finden, dass drei Aspekte existieren:
 

  1. Israel – welches sich bemüht, zum Schöpfer zurückzukehren
  2. der Schöpfer – die Wurzel, zu der alles strebt
  3. der Aspekt der 613 Lichter der Tora – die man Gewürze nennt, mit deren Hilfe die Seele und der Körper gereinigt werden.

 

Denn es steht geschrieben: „Ich habe den Bösen Trieb geschaffen und die Tora als Gewürz dazu.“

Doch alle drei Teile sind in Wirklichkeit ein Ganzes und als solches sieht sie jeder Erkennende am Ende des Weges, als einen Aspekt „Echad, Yachid, Meyuchad“ (Eins, Einzig, Besonders). Dass sie als drei Teile wahrgenommen werden, ist nur wegen der unvollkommenen Arbeit für den Schöpfer.

Ich verdeutliche es ein wenig, aber nur von einer Seite her, denn die andere erfährst du während der Offenbarung des Schöpfers dir gegenüber – die Seele ist ein Teil des Schöpfers, von Oben eingegeben.

Vor ihrem Abstieg in den Körper ist sie mit Ihm verbunden, wie der Zweig mit der Wurzel. Wie das Buch “Ez Chaim“ besagt, hat der Schöpfer die Welten erschaffen, weil es Sein Wunsch war, Seine heilige Namen „Barmherziger und Gütiger“ usw., zu offenbaren. Denn gäbe es keine Geschöpfe, wem hätte er seine Barmherzigkeit offenbaren können? … Tiefsinnig sind Seine Begriffe….

Soweit die Feder zulässt, es zu beschreiben, „stellt die ganze Tora Seine Namen dar“. So sagen es die Weisen. Das Zeichen der Höheren Führung ist: “Allem, was wir nicht erkennen können, vermögen wir keinen Namen zu geben.“ Denn all diese Namen sind die Belohnung der Seele, die nicht nach ihrem Willen in einen Körper herabsteigt, und gerade mit Hilfe des Körpers die Möglichkeit bekommt, die Namen des Schöpfers zu erkennen. Und gemäß ihrer Erkenntnis ist das Niveau (die Stufe) der Seele. Nach der Regel: “Das Leben eines geistigen Objektes wird durch das Maß seiner Erkenntnis bestimmt.“ Ein materielles Lebewesen nimmt sich selbst wahr, weil es aus dem Verstand und der Materie besteht. Deswegen ist das Empfinden des Spirituellen – das Wissen, und das spirituelle Niveau – das Maß des Wissens, denn es steht geschrieben: „Nach seinem Verstand sei der Mann gelobt.“ Ein Tier dagegen weiß, statt zu empfinden.

Und begreife den Preis, den die Seele bekommt: Vor ihrem Abstieg in den Körper war sie klein, wie ein Punkt, obschon mit ihrer Wurzel vereint, wie der Zweig eines Baumes. Dieser Punkt wird „Wurzel der Seele und ihrer Welt“ genannt. Wenn sie nicht in den Körper dieser Welt abgestiegen wäre, hätte sie nicht mehr als diesen Punkt gehabt, also ihr Maß in der Wurzel.

Und wenn sie dessen würdig wird, immer weiter den Weg des Schöpfers zu gehen, also den 613 Lichtern zu folgen, die sich in die Namen des Schöpfers verwandeln, steigt ihr Niveau entsprechend des Erkennens der Namen.

Darin besteht der Sinn der Aussage, dass der Schöpfer für jeden Gerechten 310 Welten bereit hält (310 ist die Zahlenbedeutung des Worts „Schai“ – „Geschenk“ auf Hebräisch). Die Seele besteht aus zwei Gerechten – dem Höheren und dem Unteren, so wie der Körper in Ober- und Unterkörper geteilt ist (auf dem Niveau vonTabur – Bauchnabel). Deswegen wird sie der schriftlichen und der mündlichen Tora würdig, denn jede besteht aus 310, was zusammen 620 ergibt, was 613 Geboten der Tora und 7 Geboten der Weisen entspricht.

Auf Grund dessen steht es im Buch „Ez Chaim“, dass alle Welten nur deswegen geschaffen wurden, damit die Namen des Schöpfers erkannt werden. Daraus wird deutlich, dass die Seele dadurch, dass sie herabgestiegen und in stinkende Materie gekleidet wurde, nicht mehr zu ihrer Wurzel in der Form zurückkehren konnte, in der sie vor ihrem Abstieg in „Diese Welt“ (Olam haSe) existiert hat. Sie ist verpflichtet, ihr Niveau im Vergleich zu dem, was sie in der Wurzel war, 620fach zu erhöhen, was zu ihrer Vollkommenheit führt, zum Licht aller Lichter NaRaNChaY (Nefesh, Ruach, Neshama, Chaja, Yechida), bis zum Licht Yechida. Deswegen wird Yechida „Keter“ genannt, weil ihre Gematria, wie die des Wortes Keter, der Zahl 620 entspricht.

Daraus erkennen wir, dass alle 620 Namen (613 Gebote der Tora und 7 Gebote der Weisen) im Grunde 5 Teile der Seele sind, NaRaNChaY, da die Gefäße von NaRaNChaY die 620 Gebote sind und die Lichter vonNaRaNChaY das Licht der Tora darstellen, das sich in jedem Gebot befindet. So kommt es, dass die Toraund die Seele ein und dasselbe sind.

Der Schöpfer aber ist das Licht der Unendlichkeit, das in das Licht der Tora gekleidet ist, welches sich in den 620 Geboten befindet. Und darin besteht der Sinn der Aussage: „Die ganze Tora stellt Namen des Schöpfers dar“, wobei der Schöpfer der Zusammensetzende und die 620 Namen einzelne Teile sind, also Schritte und Stufen der Seele, weil die Seele das ganze Licht Schritt für Schritt stufenweise empfängt.

Aus dem oben Gesagten resultiert, dass das Ziel der Seele darin besteht, alle 620 Namen zu erkennen und eine Stufe zu erlangen, die 620mal größer ist, als sie es vor ihrem Abstieg in den Körper war. Dabei besteht ihr Niveau (ihre Stufe) aus 620 Geboten, in die das Licht der Tora gekleidet ist. Der Schöpfer ist das allgemeine Licht der Tora; daraus folgt, dass „die Tora, der Schöpfer und Israel Eins sind.“

Vor der Einbeziehung in die Arbeit des Schöpfers sehen also die Tora, der Schöpfer und Israel wie drei verschiedene Arbeiten aus:
 

  • Manchmal strebt der Mensch nach der Rückkehr der Seele zu ihrer Wurzel, das nennt man Israel.
  • Manchmal strebt er danach, die Wege des Schöpfers und die Geheimnisse der Tora zu erkennen, da „man ohne die Gebote zu kennen, die Arbeit nicht antreten darf“, was wir die Tora nennen.
  • Manchmal strebt er danach, den Schöpfer zu verinnerlichen, das heißt nach der Verschmelzung und der kompletten Erkenntnis des Schöpfers, und nur das wünscht er sich, und nicht die Geheimnisse der Torazu erkennen und die Seele zu ihrer Wurzel zurückzuführen, wo sie sich vor dem Abstieg in den Körper befand.

Deswegen muss jeder, der die wahre Linie in der Arbeit des Schöpfers geht, sich ständig überprüfen: ob er alle Teile der Arbeit genau gleich anstrebt, weil das Ende der Handlung seinem Anfang gleicht. Wer einen Teil mehr anstrebt, als die anderen, weicht von der Geraden ab.

Wer das Ziel ansteuert, soll das Begreifen der Wege des Schöpfers und der Geheimnisse der Tora anstreben, denn dies ist das sicherste Mittel, auf der wahren Linie zu bleiben.

Deswegen steht geschrieben: „Öffnet mir einen Spalt so groß wie ein Nadelöhr und ich werde für euch höhere Tore öffnen.“ Das Nadelöhr ist nur für die Arbeit bestimmt. Wer nur die Erkenntnis des Schöpfers anstrebt, nur der Arbeit wegen, dem öffnet der Schöpfer das Tor der Welt. Wie es geschrieben steht:
“Und die Erde wird sich mit der Ehre des Schöpfers füllen.“
 
Artikel übersetzt vom Kabbala Bildungs- und Forschungsinstitut.

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