Der unzerbrechliche Ast

Die Stämme Israels werden in der Thora mit zwei verschiedenen Namen bezeichnet: Schwatim und Matot ...

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Rabbiner Benjamin Sufiev

gepostet auf 14.07.2014

Die Stämme Israels werden in der Thora mit zwei verschiedenen Namen bezeichnet: Schwatim und Matot.

Schewet und Mate (singularische Form) sind wörtlich übersetzt Gliedteile des Baumes – Schewet bedeutet »zarter Zweig«, wie er noch an den Baum gebunden ist und Mate wird mit »fester, trockener Ast, vom Baum bereits abgetrennt« übersetzt.

Jene Bezeichnungen für das jüdische Volk drücken zwei verschiedene Zu- stände in Israel aus: Der »Baum«, von denen die jüdischen Seelen entspringen, symbolisiert ihre g´ttliche Quelle, den ewigen G´tt. Wenn die Bindung zwischen den Seelen und G´tt offenbar ist, heißen sie Schwatim. Sobald aber jene Bindung verborgen und unerkennbar wird, kennzeichnet sie der Name Matot.

Die Seele in unserer Welt
 
Im Allgemeinen bezieht sich der erste Zustand (Schewet) auf die Seele, bevor sie auf unsere Welt hinab sank. Dort befand sie sich in einer völlig geistigen Welt, den Genuss der g´ttlichen Wahrnehmung verspürend und an den Ewigen vollkommen angehängt – wie ein Zweig, gebunden an seiner Lebensquelle, dem Baum.
 
Nachdem aber die Seele auf unsere Welt kam und in den irdischen, materi- ellen Körper schlüpfen musste, wandelte sich ihre Lage in den „Ast“. In jenem Zustand verspürt sie nicht mehr die so starke, offenbare Bindung zu ihrem Ursprung, bis dies sogar zu einem Gefühl der Entfremdung und
 

Trennung führen kann. Denn die Welt und der irdische Körper sehen in der geistigen Seele einen Fremden, bis sie gegen jenen »Außerirdischen« ankämpfen und ihr so eine offene Bindung mit dem Ewigen sehr erschweren. Deshalb ähnelt die Seele einem Ast – abgetrennt von seinem Baum.
 
Härte und Entschlossenheit
 
Obwohl der Zweig an dem Baum gebunden ist, kennzeichnen ihn jedoch Zartheit und Gebrechlichkeit. Der Ast hingegen ist fest und standhaft. Das heißt solange der Zweig am Baum hängt, benötigt er nicht eigene Stärke, er ist schwach und gebrechlich. Gerade die Abtrennung vom Baum „lassen ihn zum Ast werden“, dessen Stärke und Standfestigkeit um vieles größer ist, als davor, als er noch am Baum gebunden war.
 
So kann auch der Sinn der Seelenwanderung in unsere Welt erklärt werden. Gerade durch die »Trennung« und Entfernung von der g´ttlichen Quelle offenbart die Seele viel größere Kräfte, die in ihr verborgen waren, an welchen sie da- vor, als sie „nicht auf sich allein gestellt war“ keinen Bedarf hatte. Und jene Kräfte ermöglichen es ihr sogar ihren ursprünglichen Zustand zu übersteigen.  
 
Denn die Prüfungen und Verführungenunserer Welt wecken letzten Endes den „festen Ast“ der Seele – die kraftvolle Entschlossenheit die Bindung mit G´tt aufrechtzuerhalten, und das trotz aller schweren Hindernisse. Und so erreicht die Seele eine viel, viel tiefere Bindung mit dem Ewigen, als zuvor.
 
Sinn der Zerstörung
 
Die Einteilung in Schewet und Mate be- steht auch in unserer irdischen Welt. Als der Heilige Tempel noch stand, war die g´ttliche Heiligkeit allen offenbar und leuchtete über ganz Israel – wir befanden uns in dem Zustand des Schewet. Nach der Zerstörung aber, als das Volk Israel in das schwere Galut verdammt wurde, einer Periode der geistigen Dunkelheit und Düsternis, ähnelt es dem Mate, einem Ast, seiner Lebensquelle entrissen.
 
In diesem Zustand liegt es an Israel seine inneren Kräfte zu wecken, die ihm gegebene Starkheit der Entschlossenheit, Sturheit und Standfestigkeit zu enthüllen, damit es die harten Prüfungen des Galut überstehen könne und niemals auch nur für einen Augenblick die Hoffnung auf die Rettung des Ewigen verliere!
 
Eine Andeutung darauf sehen wir in der Tatsache, dass der Wochenabschnitt Matot während der „Zeit der Bedrängnis“ – die drei Wochen vom 17.Tammus bis zum 9.Aw, in denen der Tempel zerstört wurde – rezitiert wird.
 
Darin spiegelt sich der wahre Sinn der Zerstörung und des Galut – den »Ast« der Seele zu enthüllen und so zur größten Offenbarung zu gelangen – die vollkommene Erlösung sofort in unseren Tagen!  
 

Das Exil erweckt      die innerste Seele des Juden und die feste Entschlossenheit an sein Judentum anzuhängen!
 
  (Aus den Lehren des L. Rebben; Likute Sichot Teil 18, Seite 382)

 
 

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