Die Kuh des Maschiachs

Unser Wochenabschnitt öffnet mit den Vorschriften bezüglich die »Roten Kuh«, deren Asche zur Reinigung von Unreinen diente.

3 lesezeit

Rabbiner Benjamin Sufiev

gepostet auf 14.07.2014

Unser Wochenabschnitt öffnet mit den Vorschriften bezüglich die »Roten Kuh«, deren Asche zur Reinigung von Unreinen diente. Der Rambam, welcher den halachischen Aspekt dieses Themas ausführlich behandelt, führt auch den historischen Ablauf dieser Mitzwa an. So schreibt er: „Seit dem Erhalten dieses Gebots bis zur Zerstörung des Zweiten Tempels wurden bereits neun Rote Kühe eingeäschert. Die erste bereitete Mosche, die zweite der Schriftgelehrte Esra, und so weitere sieben bis zur Tempelzerstörung. Und die zehnte wird uns bereiten    Maschiach unser Erlöser, möge er bald kommen, Amen!
 
Es ist bekannt, dass Rambams Werk, Hajad Hachaska, nur den halachischen Aspekt im Judentum behandelt. Da es um den jüdischen Gesetzeskodex geht, sind jeder Ausdruck und jede Formulierung bewusst gewählt, und viele weitere Gesetzesschlüsse wurden durch jene Präzision erlernt. So was hat dann die Hinzufügung „möge er schnell kommen, Amen“, welche ja ein Gebet ist, mit jenem rein halachischen Werk zutun?
 
Tiefe Sehnsucht

Man könnte versuchen zu erklären, dass der Rambam uns damit lehren will, dass jeder Jude für die vollkommene Erlösung zu beten hat. Doch viel passender wäre es doch jene Vorschrift in den Kapiteln, die das Thema der vollkommenen Erlösung ausführlich behandeln, anzuführen, undnicht hier, wo von dem Erlöser nur Nebenbei die Rede ist.

Tatsächlich aber will uns der Rambam hier die Vorschrift lehren, wie wichtig es denn ist für das Kommen des Maschiach zu beten.

Auch wenn die Erlösung nur nebenbei erwähnt wird, soll dies den Juden so sehr berühren und in ihm das schmerzliche Gefühl der großen Sehnsucht nach der Erlösung wecken, bis er einfach nicht anders kann, als den Ewigen anzuflehen, dass Er den Erlöser endlich schicke: „Möge er doch schnell kommen, Amen“!

Den ganzen Tag

In den Vorschriften über den Erlöser   legt der Rambam fest: „Jeder, der nicht an ihn glaubt, oder sein Kommen nichterwartet leugnet die Thora und unseren Lehrer Mosche ab!“ Es reicht also nicht an das Kommen des Maschiach zu glau- ben, sondern es ist jedermanns Pflicht auf ihn zu hoffen und an jedem Tag zu erwarten! Und wer an sein Kommen glaubt, ihn aber nicht erwartet, zweifelt sein ganzes Judentum an!
Und da unsere Pflicht an sein Kommen zu glauben uns ständig begleitet, gehört auch die sehnliche Erwartung in jedem Augenblick an Maschiach zu jener ständigen Pflicht. Denn zu jedem Zeitpunkt liegt es am Juden jenes Bewusstsein vor Augen zu halten, dass Maschiach jeden Moment kommen kann! Und so beten wir dreimal täglich: „Auf Deine Erlösung hoffen wir den ganzen Tag!“
 
In der immerwährenden Leere

Ein solches Gefühl der Sehnsucht entspringt von einem richtigen Verständnis über die vollkommene Erlösung, ihrem Sinn und ihrer Bedeutung. Der Jude weiß, dass bis zu jenem Zeitpunkt sein Leben nicht erfüllt sein kann. Er sehnt sich sein Judentum voll auszuleben, muss aber erkennen, dass der Großteil seines Judentums nicht ausgelebt werden kann (von den 613 Geboten können heute nur 207 erfüllt werden!). Das jüdische Volk ist auf die ganze Welt zerstreut, der Heilige Tempel – Herrlichkeit und Ruhm Israels – niedergebrannt. Ohne die end- gültige Erlösung befindet sich der Jude in einem Zustand der immerwährenden Leere, tagtäglich abwartend, dass der Erlöser endlich komme und sie fülle!
 
Und das ist die Pflicht, die uns der Rambam hier lehren will: Wenn der Jude sich das Kommen des Maschiach wirklich zu Herzen nimmt, wird er selbst von tiefen Gefühlen der Sehnsucht und Hoffnung geweckt, sobald auch nur ein Thema erwähnt wird, das auch nur irgendwie mit der Erlösung zutun hat; und sei dies auch völlig nebensächlich! So sehr bewegt ihn die Sehnsucht nach dem Maschiach, bis er mit einem Male in innerstes Flehen zu G´tt ausbricht: „Bitte schicke uns doch endlich den Erlöser, dass er schnell komme, Amen!“
 

„Es reicht nicht an dasKommen des Erlösers zu glauben, sondern es ist jedermanns Pflicht ihn an jedem Tag zu erwarten!“
 
  (Aus den Lehren des Lubawitscher Rebben;
Likute Sichot Teil 28, Seite 131)

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