Tempel und Königtum

Im Wochenabschnitt wird das wahre Verhältnis von Tora und Arbeit geklärt und zwar gestützt auf die innere Ordnung des Tempels. Im Innern des Tempels befindet sich das Heiligtum...

3 Min.

Rabbiner Schlomo Aviner

gepostet auf 15.02.15

Parschat "Truma" (2.Buch Moscheh "Exodus", Kap.25,1 – 27,19) S.388

 

Tora und Arbeit

 

In diesem Wochenabschnitt wird das wahre Verhältnis von Tora und Arbeit geklärt, und zwar gestützt auf die innere Ordnung des Tempels. Im Innern des Tempels befindet sich das Heiligtum mit dem sechsarmigen Leuchter und dem Tisch der Brote. Der Leuchter ist dazu bestimmt, Licht zu verbreiten, und der Tisch hat die Aufgabe, die Schaubrote aufzunehmen. Leuchter und Tisch symbolisieren Licht und Brot, Kultur und Wirtschaft, die Hauptgebiete menschlichen Schaffens. Das Herz des Tempels aber bildet das Allerheiligste. Dort befindet sich nur noch Tora. Mit der Tora wendet sich der Herr der Welt an uns, und darin finden auch Leuchter und Tisch, Kultur und Wirtschaft ihren Ursprung – das, was wir tun, was wir schaffen, was wir leisten. Die Arbeit ist unsere Aufgabe in der Welt – alle Arbeiten, die es gibt. Die erhabene Arbeit des Tempeldienstes, der Dienst des Gefühles, den wir Gebet nennen, der G~ttes-Dienst mit dem Verstand, nämlich das Torastudium, der Liebes-Dienst zwischen dem Menschen und seinem Nächsten und zwischen Mann und Frau, und die praktische Arbeit in der Landwirtschaft und im Handwerk. Doch dürfen wir in alledem den Ausgangspunkt nicht vergessen – das Wort G~ttes – und uns nicht zu tief in die Arbeit eingraben. "Wer sein Ohr vom Hören der Lehre abwendet – auch dessen Gebet ist ein Gräuel" (Sprüche 28,9). Wir dürfen aber auch weder das kreative, aktive geistige Schaffen noch die praktische Arbeit, die uns das Brot bringt, außer Acht lassen. Jenes Brot wird am Ende der "26 Preisungen" erwähnt: "Der Brot gibt allem Fleische, denn ewiglich währt seine Huld" (Psalm 136,25), denn auch die Arbeit des Menschen zum Hervorbringen von Brot hat eine bestimmte Heiligkeit, wie in den "Sprüchen der Väter nach Rabbi Natan" (11. Abschnitt) weiter erklärt wird, weil sie nämlich Teile der Welt vor dem Veröden rettet. Das ist die Lebensaufgabe des Menschen, zu schaffen und nicht müßigzugehen – "..nicht umsonst hat er sie [die Erde] geschaffen, zur Bewohnung hat er sie gebildet" (Jeschajahu 45,18). Die Hauptfrage besteht nicht darin, wie viel Tora zugunsten der Arbeit oder wie viel Arbeit zugunsten der Tora geopfert werden muss, denn beide haben das eine Ziel: menschliche Arbeit auf dem Fundament göttlicher Lehre. Das Problem liegt nur darin, fleißig und eifrig in beiden zu sein.

 

Tempel und Königtum

 

Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") vermerkt in seinem Gesetzeskodex "Mischne Tora" [Grundlage des "Schulchan Aruch"] in den Gesetzen vom Tempel als eines der 613 Gebote, G~tt ein Haus [=Tempel] zu bauen. Diese Halacha wirft die nicht selten gestellte Frage auf – da sich der Tempelberg doch nun mit G~ttes Hilfe in unserer Hand befindet, warum wir uns denn nicht an die Arbeit machen?

 

Doch genau wie es die Gebote an sich gibt, so gibt es auch eine bestimmte Ordnung der Gebote. Maimonides schreibt zu Beginn der "Gesetze von Königen und Kriegen": "Drei Gebote wurden dem Volk Israel zu seinem Eintritt ins Land befohlen…" [1. Einsetzung eines Königs, 2. Vernichtung Amaleks, 3. Tempelbau]. Das Gebot des Tempelbaus obliegt nicht dem individuellen Juden, sondern der israelitischen Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft offenbart sich nur im Lande Israel. Zweitens versteht sich von selbst, dass so ein erhabenes Gebot, das zur höchsten, gesunden Spiritualität des jüdischen Volkes gehört, auch auf einfacher Ebene eine gesunde Geistesverfassung zur Voraussetzung hat. Entsprechend schreibt Maimonides, gestützt auf die talmudische Quelle, dass die Einsetzung eines Königs vor der Errichtung des Tempels erfolgt. Zuallererst muss sich die jüdische Gemeinschaft in ihrem vollen nationalen Potenzial entfalten, und nur auf dieser Basis können höhere Stufen errichtet werden. Die zweite Stufe, nach der Errichtung einer nationalen Heimstatt, besteht in der Vernichtung Amaleks, vor dem Bau des Tempels, wie es heißt: "Und es geschah, als der König wohnte in seinem Hause und der Ewige ihm Ruhe geschafft hatte von all seinen Feinden ringsum.." (Schmu'el II, 7,1). Auch dies gehört zum Aufbau des israelitischen Königtums – der Aspekt der Entfernung vom Bösen, der Beseitigung des Negativen. Nur auf der Basis dieser beiden einfachen und fundamentalen Stufen der Offenbarung der jüdischen Gemeinschaft besteht die Möglichkeit, darauf die höchste Stufe zu erbauen: "Und sie sollen mir ein Heiligtum errichten, dass ich wohne in ihrer Mitte" (Ex. 25,8).

 

Der Autor ist Oberrabbiner von Bet El und Leiter der Jeschiwa "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Altstadt von Jerusalem. Übersetzt von R. Plaut Chefredakteur von KimiZion

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