Erziehung nach den 7 noachitischen Geboten

Die sieben noachitischen Gebote gelten sowohl für den Mann als auch für die Frau gleichermaßen. Deshalb müssen wir auch unsere Kinder entsprechend dazu erziehen...

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Rabbiner Shalom Arush

gepostet auf 16.06.2016

Die sieben noachitischen Gebote gelten sowohl für den Mann als auch für die Frau gleichermaßen. Deshalb müssen wir auch unsere Kinder entsprechend dazu erziehen, dass zu tun, was wir hier bereits lernten. Die Pflicht, ein Kind dazu zu erziehen, beginnt mit dem Alter, in dem ein Kind Zusammenhänge versteht. Außerdem ist es einem Nachkommen Noahs untersagt, einen anderen Menschen zu einer Sünde zu verleiten. Nachkommen Noahs haben die Verpflichtung, ihre Pflichten und Gebote zu studieren. Unwissenheit schützt hier also nicht vor Strafe. Wer sich unwissend an einer Pflicht vergeht, wird trotzdem eine Strafe erhalten. Schließlich ist es ja seine Pflicht, zu lernen, was erlaubt und was verboten ist. Folglich ist es die Aufgabe eines jeden Nachkommen Noahs, die entsprechende Literatur zu studieren, welche die sieben Grundgebote der Menschheit lehrt und sich mit dem Glauben an den Schöpfer befasst.

 

Neben der Verantwortung, einem Kind den Weg des Glaubens zu lehren und es auf diesem Fundament zu erziehen, ist es ebenso die Pflicht eines jeden Menschen, den Gedanke des Glaubens an unseren Schöpfer in der Welt zu verbreiten und die gesamte Menschheit die sieben noachitischen Gebote zu lehren.

 

Weiter gilt es neben der Einhaltung der sieben noachitischen Gebote auch für tadellose Eigenschaften zu sorgen. Das ist eine wesentliche spirituelle Aufgabe. Der Kabbalist Rabbi Hayyim Vital sagte, dass die Pflicht, einwandfreie Eigenschaften zu schaffen, von einer talmudischen Lehre hergeleitet ist, welche besagt: „Der Weg von Achtung und Respekt geht der Tora voraus.“ , d.h., dass der Schöpfer uns nicht ausdrücklich die Pflicht mit auf dem Weg gab, für einwandfreie Charaktereigenschaften zu sorgen. Schließlich ist dies eine logische Folge der Erkenntnis, welche nicht extra auferlegt werden muss. Die Tora hätte uns damit also nichts Neues offenbart, da es sich bei dieser Erkenntnis um die primäre Einsicht handelt, die im Gewissen des Menschen bereits verankert ist. Im vorherigen Kapitel haben wir bereits erwähnt, dass der weise Nissim Gaon darauf hinwies, dass nebst der Einhaltung der sieben noachitischen Gebote jeder Nachkomme Noahs ebenso dazu verpflichtet ist, alle Gebote und Werte zu halten, welche logisch sind, wie z.B. das Gebot der Elternehre, die Ehre gegenüber älteren Menschen, keinen Mitmenschen zu schlagen, nicht undankbar zu sein usw.

 

Und da in der göttlichen Weisung keine konkreten Verbote für Zorn, Wut, Ego oder weitere unangebrachte Eigenschaften aufgeführt sind, diese Eigenschaften eines Menschen aber allesamt unwürdig sind, so ist es klar, dass es der Wille des Schöpfers ist, dass alle Menschen dieser Pflicht Folge leisten. Beim ersten Menschen hat der Schöpfer besonders darauf geachtet, wie er mit diesen logischen Grundsätzen umgeht – demzufolge auch mit der gesamten Menschheit vor der Übergabe der Tora.

 

Ferner schreib der Kabbalist Hayyim Vital, dass das Schaffen einwandfreier Eigenschaften die Quelle aller Gebote ist und es einem Menschen unmöglich ist, Gebote zu halten, solange er seinen Charakter nicht dafür sensibilisiert. Die Arbeit an der Persönlichkeit selbst ist eine sehr spirituelle Arbeit und geistige Herausforderung. Es umfasst besonders das Korrigieren von Wut, Hassgedanken, Streit, Neid, Ego usw.

 

 

Fazit ist: Ein Mensch muss über seinen Schatten springen, nachgiebig sein, Reue zeigen und seinem Nächsten nur Gutes tun – solange, bis alle ihn und seine Handlungen lieben werden, sodass sie auch von ihm lernen können, wie man sich zu verhalten hat. Und für jedes Vergehen und jede Verfehlung, die ein Mensch einem anderen oder seinem Schöpfer gegenüber tut, muss er Reue zeigen und sich besinnen. Wer an seinem Nächsten vergeht, dem hilft hier kein Bereuen und Besinnen, solange er sich nicht bei dem Menschen, an dem er sich vergangen hat, entschuldigt. Es ist auch ratsam, keine bösen Gedanken zu entwickeln, weil der Schöpfer böse Gedanken sogar bestraft.

 

 

Der Autor ist Oberrabbiner der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Dajan beim Europäischen Beit Din und Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD). Dieser Artikel erschien in der Jüdischen Allgemeinen.

 

Übersetzt von Rabbiner David Kraus. David Kraus (M.A in Psychologie und Integrativer Psychotherapie | Dipl. Paar- und Familientherapeut | Dipl. Pädagogischer Elternberater) ist Oberrabbiner der Jüdisch-Chassidischen Kultusgemeinde Breslev Deutschland / Israel mit Sitz in Hanau. David Kraus finden Sie bei Facebook.

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