Eine große Stütze

Als Angehöriger oder Freund mit einem psychisch Kranken umzugehen ist oft eine Herausforderung. Professionelle Hilfe ist dann unumgänglich.

2 Min.

Rabbiner David Kraus

gepostet auf 03.03.19

FRAGE: Man nimmt das Psychische und vom Psychischen ausgehenden Leid sehr extrem und intensiv wahr, denkt und fühlt viel über und mit den betroffenen Menschen.
Welche Techniken, spezielle Gebete o.ä. kann man anwenden, um das sehr unangenehme, schon schmerzhafte Gefühl zu lindern, den Gedanken zu helfen aber nicht?

 

ANTWORT: Als Angehöriger oder Freund mit einem psychisch Kranken umzugehen ist oft eine Herausforderung. Hilfe ist, Rückhalt zu geben; das Wissen vermitteln, dass der Betroffene nicht allein mit seinem Problem ist. Das Wissen, nicht allein zu sein, sondern dass andere das gleiche Schicksal ereilt hat, ist ihnen eine große Stütze.

 

Man sollte auch unbedingt Betroffene ermuntern, sich helfen zu lassen. Jemand, der an einer psychischen Erkrankung leidet, weiß oft selbst nicht, dass er Hilfe benötigt. Angehörige und Freunde können ihm Literatur über seine Krankheit besorgen; ihm vorschlagen, mit jemanden zu sprechen, der ähnliche Krisen durchlebt hat oder einen Arzt aufzusuchen. Vielleicht lehnt der Betroffene das ab. Doch spätestens wenn man bemerkt, dass er eine Gefahr für sich selbst oder für andere darstellt, reicht es nicht mehr aus, ihn nur zu ermuntern, etwas zu unternehmen. Professionelle Hilfe ist dann unumgänglich.

 

Man muss auf jeden Fall viel Verständnis für die Erkrankten aufbringen. So wie ein jeder Mensch Rückhalt braucht, benötigt aber auch ein Kranker selbst Personen, auf die er sich verlassen kann, wenn seine Gefühle verrücktspielen. Psychisch Kranke mögen nicht wirklich belastbar sein und manchmal sind sie nicht in der Lage, Entscheidungen zu treffen. Verlangt man zu viel von ihm, wird er vielleicht mutlos. Doch noch verzweifelter könnten sie sich fühlen, wenn man sie nicht in den Alltag mit einbezieht. Natürlich sollten sie auch nicht zu Entscheidungen gezwungen werden, die sie nicht treffen können oder möchten. Man muss also aufpassen, weder zu überfordern noch zu bemuttern.

 

Das Wichtigste ist: miteinander zu reden. Nach einer Krise oder einem Klinikaufenthalt ist also sehr wichtig, darüber miteinander zu sprechen. Alle Betroffenen sollten offen erzählen, wie sich das Erlebte aus ihrer Sicht darstellte – in aller Ruhe, liebevoll, ohne Vorwürfe.

 

Auch die Gedanken und Gefühle des Kranken sollten ernst genommen werden. Und das mit Abstand wichtigste ist das Gebet. Ich empfehle den Psalm 6 täglich achtmal hintereinander. Im Allgemeinen sind die Tehillim sehr heilbringend.

 

Es gibt auch ein sehr gutes Buch mit wundervollen Gebeten: Likutey Tefillot. Dort findet man sehr viele Gebete zur Heilung. Man sollte auch zu einem Rechtschaffenen gehen und ihn darum bitten, himmlische Unterstützung anzufordern.

 

 

Rabbiner David Kraus (M.A in Psychologie und Integrativer Psychotherapie | Dipl. Paar- und Familientherapeut | Dipl. Pädagogischer Elternberater) finden Sie bei Facebook.

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