Keine Panik auf der Titanic

Egal was ihm auch in seinem Leben widerfahren mag, er sieht alles locker und gelassen, frei nach dem Motto „Keine Panik auf der Titanic“.

4 Min.

Rabbiner Shalom Arush

gepostet auf 21.04.19

„Dein Stab und Deine Stütze sind mein Trost.“ (Psalm 23,4)

 

Rabbi Nachman aus Breslev sagte einst, dass Gott einem Menschen, unmittelbar nachdem dessen Verstand ihn getäuscht hatte, sozusagen hinterher ruft, damit er sich Ihm wieder nähert. Dieser Ruf Gottes hinter ihm her ist für jeden Menschen verschieden. Dem einen genügt eine harmlose Andeutung, um zu verstehen, dass er falsch liegt, bei dem anderen bedarf es hierfür regelrecht eines unmissverständlichen  Aufrufs, und wiederum bei einem dritten, bei dem nicht einmal der unmissverständliche Aufruf etwas nutzte, den tritt und schlägt Er – nach dem Motto: „Dem Klugen genügt bereits eine Andeutung und nach dem Narren muss man mit Steinen werfen.“

 

Auf den Punkt gebracht bedeutet dies, dass es sich bei allen Problemen und Schwierigkeiten im Leben eines Menschen um etwas Gutes handelt. Sie führen nämlich dazu, dass ein Mensch sich auf den geraden Lebensweg begibt, der mit  Glauben gepflastert ist. Darüber hinaus darf man nicht außer Acht lassen, dass Gott  der Einzige ist, der die exakte Lebensbahn eines jeden Einzelnen kennt. Einem Menschen wird es niemals gelingen, in seinem Leben zu dieser Erkenntnis zu  gelangen, was in manchen Fällen dazu führt, dass Gott die Pläne eines Menschen durchkreuzt, indem Er ihm Steine in den Weg legt bzw. ihm den Weg ganz verbaut, da es sich bei dem vom Menschen eingeschlagenen Lebensweg nicht um die ihm zugedachte Lebensbahn handelt. Mit anderen Worten zwingt Gott den Menschen  dazu, eine andere Richtung einzuschlagen, damit er nicht verloren geht.

 

 

Die Arbeit eines Menschen besteht darin, bei allem, was ihm widerfährt, …

 

    zu erkennen, was Gott von ihm möchte bzw. erwartet,

    zu erkennen, was Gott ihm sagen möchte,

    zu erkennen, auf welches Ziel ihn Gott hinführt.

 

 

In den meisten Fällen versteht ein Mensch allerdings keinen dieser drei Punkte und wertet deshalb die Probleme seines Lebens oft als regelrechten Weltuntergang. Ohne dabei zu ahnen, dass diese Probleme ihm das Tor zur Wahrheit und Vollkommenheit öffnen werden, da er sich dank ihrer zum einen – wenn er sie im Glauben annimmt – dem wirklichen Sinn seines Lebens nähert, und zum anderen dadurch ein wahrhaft glückliches Leben haben wird.

 

Mittels des Glaubens wird er sich stets an dem, was er hat, erfreuen und sich bei Gott auch für alles, was ihm fehlt, bedanken, da er ja schließlich davon ausgeht, dass dieses Fehlen ihm den Weg zu seinem Glück ebnen wird. Kurz gesagt wird solch ein Mensch immer glücklich sein, und deshalb wird es ihm auch immer gut gehen – unabhängig von seiner realen Lebenslage.

 

Jeder Mensch sucht in seinem Leben den schnellsten und effizientesten Weg zu Glück und Erfolg. Folglich begibt sich jeder instinktiv auf den Weg, der ihm dafür als besonders geeignet erscheint. Er geht nach rechts und bemerkt zu seinem Bedauern, dass Gott ihm diesen Weg versperrt. Er geht nach links und muss aufs Neue feststellen, dass Gott ihm auch wieder diesen Weg versperrt. Egal was er auch versucht, alle Wege scheinen versperrt zu sein. In  dieser Situation ist ein Mensch ohne den Glauben hilflos der Frustration und der Verbitterung ausgesetzt, da sich in seinem Kopf die Vorstellung festgesetzt hat, sein Leben sei verflucht durch Pleiten, Pech und Pannen. Ein Mensch, der an Gott glaubt, zeigt sich dieser Situation  hingegen gelassen, da er ja weiß, dass Gott ihn durch sein Leben führt und er sich in Seiner ihn beschützenden Obhut befindet. Egal was ihm auch in seinem Leben widerfahren mag, er sieht alles locker und gelassen, frei nach dem Motto „Keine Panik auf der Titanic“. Diese moralische Stärke schöpft er aus seinem Glauben, d.h. aus dem Wissen, dass es sich bei seiner momentanen Erfolgslosigkeit lediglich um eine Eintagsfliege handelt, die nur zu seinem Besten ist und die in dem Moment, wo er begreift, wohin Gott ihn führen will, ihr Ende finden wird. Dank dieser positiven Lebenseinstellung wird er schneller als er es erwartet den gewünschten Erfolg verbuchen können, und darüber hinaus gewinnt  er mit  seiner lächelnden Geduld  den wahren Erfolg. Er wird also bereits auf dieser Welt eine Kostprobe vom himmlischen Paradies erhalten, auf das er mittels seiner gläubigen Lebensführung den exakten Kurs hält.

 

Wie man sieht kann sich jeder Mensch solch einen Erfolgsschlüssel mit Leichtigkeit selbst anfertigen, indem er lediglich an Gott glaubt und Ihm vertraut und dabei aufmerksam zu erkennen versucht, was Gott von ihm möchte bzw. erwartet, was Gott ihm andeutet und auf welches Ziel Gott ihn hinweist. Auf diese Weise wird sein Leben stets angenehm leicht und immer süß sein, da Gott ihm, ohne außergewöhnliche Maßnahmen zu ergreifen, dazu bewegen kann, seinen Lebenszweck zu erfüllen. Ein ungläubiger Mensch dagegen zieht  durch seine eitle und unbeugsame Hartnäckigkeit die andauernde Verliererkarte, mit dem Ergebnis, dass in seinem Kopf ein unbeschreibliches Durcheinander herrscht und in seinem Herzen stets ein Gefühlschaos ist.

 

Mit anderen Worten gleicht ein gläubiger Mensch, der sich dessen bewusst ist, dass er ein Geschöpf Gottes ist, einem folgsamen Kind, da er in seinem Leben nicht erst auf Probleme wartet, die ihn dann dazu bewegen, sich zum Positiven zu verändern und sich mit dem Sinn seines Lebens auseinander zu setzen. Er verfolgt in seinem Leben alles mit Aufmerksamkeit und versucht stets, die Mitteilungen Gottes zu verstehen, wie ein Kind, das stets auf seine Eltern hört und deshalb niemals bestraft  werden muss, da es sich durch einfache verbale Anleitungen bereits in die richtige Richtung bewegt. Ganz im Gegenteil, zu einem ungehorsamen Kind, das exakt dem menschlichen Beispiel eines Ungläubigen entspricht, da es immer  meint, alles besser zu wissen und deshalb grundsätzlich und ohne mit der Wimper zu zucken auf den Willen seiner Eltern pfeift. Solch ein Kind entzieht sich sozusagen der Obhut seiner Eltern und ebnet sich dadurch zweifellos ein hartes und schweres Leben.

 

 

Der Autor ist Gründer und Leiter des Lehrinstituts „Chut Schel Chesed“ in Jerusalem. Mehr über Rabbiner Shalom Arush erfahren Sie hier.

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