Die richtige Adresse

Ein Mensch muss Gott darum bitten, dass Er ihm den Glauben an Ihn schenkt.

4 Min.

Rabbiner Shalom Arush

gepostet auf 19.05.19

Ein Mensch muss Gott darum bitten, dass Er ihm den Glauben an Ihn schenkt.

 

Eines Tages trat ein Mann auf mich zu und erzählte mir seine Leidensgeschichte, die von Ängsten und Sorgen geprägt war. Ich erwiderte ihm, dass der Grund für diese Gefühle sein mangelnder Glaube an Gott sei. Der Mann meinte daraufhin:

 

„Glaube?! – Ich denke, das ist wohl mit Abstand das Letzte, was mir fehlt!“

 

Ich zeigte mich von dessen Reaktion unbeeindruckt und sagte:

 

„An deinen Worten ist etwas Wahres dran, da du tatsächlich den Glauben besitzt, dass es einen Schöpfer dieser Erde gibt. Allerdings fehlt dir der Glaube, dass alles von Gottes Hand herbeigeführt wird, und deshalb geht es dir auch nicht in deinen Kopf, dass du dich in guten Händen befindest und alles, was dir in deinem Leben widerfährt, von Gott ausgeht und es sich dabei – ohne Ausnahmen – um das Beste für dich handelt. Wenn sich ein Mensch dessen bewusst ist, dass es sich bei jeder seiner Lebenslagen um das Beste für ihn handelt, fürchtet und sorgt er sich vor nichts. Ebenso wenig bedrückt ihn irgendetwas. Im Gegenteil, er ist stets glücklich und zufrieden, da er ja weiß, alles war gut, alles ist gut und alles wird gut sein.

 

Die Ängste und die Sorgen eines Menschen kommen von den Gedanken, etwas Schlimmes oder Schreckliches könnte eintreten, und dies ist das genaue Gegenteil des Glaubens, da ein gläubiger Mensch stets davon überzeugt ist, dass alles nur zu seinem Besten geschieht.

 

Es gibt Menschen, die sich davor fürchten, eine bestimmte Krankheit zu bekommen oder dass ihnen jemand etwas antun könnte oder dergleichen. Anderseits gibt es Menschen, die von allen möglichen Sorgen geplagt werden, wie z.B.:

 

Was ist, wenn ich kein Geld mehr habe, oder was geschieht mit mir, wenn ich meinen Arbeitsplatz verliere usw., usf.

 

Der Auslöser dieser Ängste und Sorgen ist der mangelnde Glaube eines Menschen. Diese Menschen glauben einfach nicht, dass sie sich in den Händen Gottes befinden und es sich deswegen bei allem, was ihnen widerfährt, um das Beste für sie handelt.“

 

Der Mann fragte mich daraufhin:

 

„Das ist ja alles schön und gut, aber wie bitteschön lässt sich dieser Glaube erlangen?“

 

Ich gab ihm dann folgenden Rat:

 

„Wende dich an Gott und sage Ihm:

 

Bitte gebe mir den Glauben! Schenke mir den Glauben, dass ich bei allem, was mir geschieht, davon überzeugt sein werde, dass alles nur zu meinem Besten ist. Lass mich wissen, dass ich in Deinen Händen liege und dass ich mich deshalb vor nichts und niemanden fürchten oder sorgen muss. Lass mich davon überzeugt sein, dass es keine Qualen ohne vorher begangene Sünden gibt. Bitte sieh von einer Bestrafung ab wenn du bemerkst, dass sich in meinem Herzen der Wille ausbreitet, gut zu sein und ich mich wahrhaftig bemühe, alles Schlechte an mir abzulegen.“

 

Dem Mann schien mein Ratschlag nicht durchführbar und sagte daraufhin:

 

„Ich soll also Gott darum bitten, mir den Glauben zu schenken!“

 

Ich erwiderte wie aus der Pistole geschossen:

 

„Kennst du etwa eine andere Adresse, an die du dich für den Erhalt des Glaubens wenden könntest?!? Wir sind mit Sicherheit einer Meinung, dass alles auf dieser Welt von Gottes Hand herbeigeführt wird! Alles bedeutet schlichtweg alles! Folglich erhält man somit auch den Glauben von Gott und wenn dir der Glaube an Gott fehlt, dann musst du dich eben an Gott wenden und mit Ihm sprechen. –

 

Sprich zu Ihm:

 

Mein Gott, bitte bereichere mich mit dem Glauben an Dich, sodass ich davon überzeugt sein werde, dass Du der einzige Ernährer, Heiler und Versorger auf dieser Welt bist. Bitte schenke mir den Glauben, dass es auf diesen Planeten nichts anderes außer Dir gibt und dass mir aufgrund dessen nichts und niemand auf dieser Welt etwas antun oder nehmen kann, solange Du dies nicht möchtest!

 

Jedes Mal, wenn du bemerkst, dass dir der Glaube an Gott fehlt, musst du dich an Ihn wenden und Ihn spezifisch um den Erhalt deines fehlenden Glaubens bitten.“ 

 

Jede Person auf dieser Welt trägt in ihrem Herzen einen Punkt, der den Glauben an Gott verkörpert. Demzufolge muss jeder Mensch versuchen, diesen Punkt des Glaubens auszubauen, indem er mit dem Schöpfer unserer Erde spricht. Ein Mensch, der sich mit Gott unterhält, erhält dabei automatisch den Glauben an Ihn, da ein einfaches Gespräch mit IHM bereits den Glauben verkörpert. Daher ist es sehr wichtig, dass jeder Mensch, der mit Gott spricht und Ihn dabei um Hilfe, Kinder, Geld usw. bittet, das Hauptaugenmerk seiner Bitten in erster Linie auf das Wichtigste in seinem Leben legt – auf den Glauben!

 

Der gerechte Nathan aus der ukrainischen Stadt Breslev verfasste einst ein Buch, das voller Gebete ist! Diese Gebete bilden allerdings nur einen Auszug derer, die er im Laufe seines Lebens an Gott richtete. Jeder, der diese Gebete mit klarem Auge betrachtet, wird dabei zweifellos erkennen können, dass er Gott mehr als andere um den Erhalt des Glaubens bat, so wie er es formulierte:

 

„Schöpfer der Welt, bitte gebe mir den Glauben, bitte schenke mir den Glauben, bitte bereichere mich mit dem Glauben“, und noch etlicher solcher Aussagen.

 

Hervorzuheben ist dabei, dass es sich bei diesem gerechten Mann um einen hochintelligenten Menschen handelte, der in Reinheit und Heiligkeit aufwuchs. Er heiratete bereits im Alter von nur dreizehn Jahren und hielt sich von da an vor jeder Unsittlichkeit fern. Er betrat die Straße nur mit gesenktem Haupt, um so seine Augen vor den Anblicken jeder Unsittlichkeit zu schützen. Sogar in seinen eigenen vier Wänden wagte er es nicht seinen Kopf zu heben! Und trotz allem sehen wir, dass er Gott mehr als alles andere um den Erhalt des Glaubens bat.

 

Jeder Mensch, der sich einbildet, den Glauben an Gott zu besitzen, allerdings trotz dieser Einbildung sieht, dass sein Glaube ihm nicht die Tore eines Lebens im Glück, in Freude, in Entspanntheit, in Ruhe und in Frieden eröffnet, kann anhand dieses Beispiels erkennen, dass er mit Sicherheit noch nicht den Glauben an Gott erlangt hat. Folglich muss er sich an Gott wenden und Ihn um den Erhalt des Glaubens bitten und nicht etwa an seiner illusionären Einbildung festhalten.

 

 

Auszug aus dem Buch „Im Garten des Glaubens“ von Rabbiner Shalom Arush. Der Autor ist Gründer und Leiter des Lehrinstituts „Chut Schel Chesed“ in Jerusalem. Mehr über Rabbiner Shalom Arush erfahren Sie hier.

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