Die Erstgeborenen

Die Erstgeborenen und der Wiederkauf der Erstgeborenen ...

2 Min.

Rabbiner Avichai Apel

gepostet auf 14.03.21

Die Erstgeborenen und der Wiederkauf der Erstgeborenen

 

Das erstgeborene Kind wird in der Thora oft in den Vordergrund gestellt. Awraham, Lea, Reuwen, Menasche einerseits und Kain, Jischmael und Esaw andererseits. Jaakow will das Erstgeborenenrecht erwerben. Lea macht sich Sorgen, dass sie Esaw, auch einen Erstgeborenen, heiraten soll, und Lawan lässt sie Jaakow anstatt Rachel heiraten.

 

Jaakow nennt Reuwen „Ruben, mein Erstling bist du, meine Kraft, meiner Mächtigkeit Anfang!“ (Bereschit 49,3) Jossef will die rechte Hand Jaakows auf den Kopf Menasches legen, da er der Erstgeborene ist.

 

Die Rettung der erstgeborenen Kinder beim Tod der ägyptischen Erstgeborenen betont erneut, wie wichtig sie sind. „Denn mein ist alles Erstlingtum: am Tag, da ich alles Erstlingtum im Land Ägypten schlug, heiligte ich mir alles Erstlingtum in Jissrael ab von Mensch bis Vieh, mein seien sie, MEIN“ (Bamidbar 3,13).

 

Schon nach der Erklärung der Zehn Gebote am Berg Sinai nimmt Mosche die Jungen Israels, um die Opfer zu bringen. Die Jungen waren alle erstgeborenen Kinder (Schmot 24,5 und Raschi), d.h., die Erstgeborenen waren für den Dienst im Tempel vorgesehen.

 

Daher steht auch die Mizwa in Paraschat Bo: „Heilige mir alles Erstlingtum, alles, was den Mutterschoß durchbricht bei den Söhnen Jisraels, bei Mensch und bei Vieh, mein ist er“(Schmot 13,2).

 

Das Ziel bestand darin, dass in jeder Familie ein Mensch sich dem Heiligtum widmet und damit das Licht der Thora nach Hause bringt (Rav Hirsch ,Bamidbar,3,12). Genauso war das Ziel, dass das Erste aus unserem Besitz G“tt gehören sollte, daher kam auch die Mizwa, dass der Erstgeborene vom Vieh G“tt gewidmet wurde. Nachdem die Kinder Israels das Goldene Kalb angebetet hatten, nahm G“tt ihnen das Heiligtum weg. Stellvertreter für die erstgeborenen Kinder wurden die Lewiim.

 

Da die Lewiim sich am Goldenen Kalb nicht beteiligten, wurde ihnen die Ehre zuteil, statt der Erstgeborenen das Volk beim Dienst am Heiligtum zu vertreten. „Ich, da, ich nehme die Lewiten aus der Mitte der Söhne Jisraels anstatt alles Erstlingtums, des Bruchs eines Mutterschoßes, von den Söhnen Jisraels, mein seien die Lewiten“ (Bamidbar 3,12).

 

Ein Erstgeborener hängt laut der Thora nicht an dem Vater, sondern an seiner Mutter. Dies gilt, wenn es sich um eine natürliche Geburt handelt. Ein Kind, das mit Kaiserschnitt geboren ist, wird deswegen nicht als erstgeboren angesehen. Ein Kind, das nach einer Fehlgeburt geboren wird, ist davon in manchen bestimmten Fällen befreit.

 

Ein Kind, das nach dem Giur/Übertritt seiner Mutter geboren wird, ist dazu verpflichtet. Kinder, bei denen ein Elternteil Kohen oder Lewi ist, sind von der Auslösung befreit. Eine jüdische Frau, die gegen das Verbot verstößt, einen nichtjüdischen Mann zu heiraten, ist trotzdem verpflichtet, das Kind von einem Kohen auszulösen (Jore Dea 305).

 

Ein Erstgeborener trägt sein potenzielles Heiligtum, bis es von einem Kohen wiedergekauft wird. Wenn er 30 Tage alt ist, bringt ihn sein Vater zu einem Kohen. Der Kohen stellt ihm die Frage, ob er seinen Sohn will oder 5 Schkalim aus Silber. Der Vater zahlt das Geld dem Kohen und nimmt seinen Sohn mit. Ein Erstgeborener, der nicht von seinem Vater von dem Kohen ausgelöst worden ist, soll es nachholen, sonst darf er keine nicht heilige Tätigkeit ausüben (Sforno,13,2).

 

 

Der Autor ist Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Frankfurt und Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD).

Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Danke fuer Ihre Antwort!

Ihr Kommentar wird nach der Genehmigung veroeffentlicht.

Fuegen Sie einen Kommentar hinzu.