Eine verbesserungswürdige Welt

Nein zu Menschenhass - Nein zu Gewalt - Nein zu Hass ...

5 Min.

Rabbiner David Kraus

gepostet auf 14.07.19

„Sind Sie für die Schaffung eines palästinensischen Staates?“, das werde ich sehr oft gefragt – und das ganz frech, eben auch jetzt.

 

Meine Antwort gebe ich hier gern öffentlich kund: Nein!

 

Die Vernarrtheit in die Schaffung eines palästinensischen Staates finde ich milde gesagt verwunderlich. Warum gerade das geschichtsbewusste Deutschland ein Gebilde befürwortet, das von vornherein ethnisch rein sein möchte, könnte verlogener nicht sein. Es ist zum politischen Tabu geworden, die Zweistaatenlösung abzulehnen. Dabei wäre eigentlich nichts einfacher als das: Natürlich bin ich gegen einen Staat, der ethnische Reinheit als Grundbedingung beansprucht.

 

So schwer war das jetzt nicht.

 

Denn nichts anderes findet in der palästinensischen Gesellschaft gerade statt. Ein krankhaftes Feiern kaum volljähriger Selbstmordattentäter und ihrer Mission, Juden abzustechen oder auf junge jüdische hochschwangere Mütter zu schießen.

 

Täglich kommt es zu Attacken, die Palästinenser gegen ihre jüdischen Nachbarn verüben. Mal sind es nur Messer, die sie einsetzen, mal rasen sie mit Autos in Menschenansammlungen.

 

Wenn palästinensische Attentäter jüdische Israelis ermorden, dann war es „natürlich“ die Frustration und Perspektivlosigkeit, die aus Menschen blutrünstige Mörder macht. Komischerweise räumt man jedoch nur Palästinensern das Recht ein, Frust über Messerattacken und anderen Gewaltausübungen abzubauen.

 

Man hat sich daran gewöhnt, von Palästinensern nichts zu erwarten.

 

Wenn du schon mal in Israel warst, verstehst du, was ich meine. Denn sicher hast du in Israel hier und da riesige Straßenschilder vor Ortschaften gesehen, Schilder, wo nicht draufsteht: „Herzlich willkommen“, sondern: „ACHTUNG! Eintritt für Israelis verboten, Lebensgefährlich“ …

 

Vor jeder palästinensischen Ortschaft, welche vor der palästinensischen Autonomie-Behörde kontrolliert wird, findet man solche erschreckenden Schilder. Das erinnert uns doch an die Nazis, oder? Bei den Nazis versteht jeder, dass das so nicht geht, doch wie bereits gesagt, komischerweise räumt man nur Palästinensern das Recht ein, Frust mit Hass, Gewalt, Mord und Totschlag abzubauen.

 

Immer wenn ich diese Schilder sehe, frage ich mich: Wenn es für mich Lebensgefährlich ist, da jetzt zu den Palästinensern rein zu fahren, ja warum dürfen diese Leute dann zu mir hier rausfahren?

 

Eine Gesellschaft, die so eine Gewalt wie diese der palästinensischen Attentäter widerspruchslos duldet, ist mir höchst suspekt. Im Fall der Palästinenser besteht man auch in Deutschland darauf, diese gesellschaftlichen Entwicklungen unbedingt mit einem Staat belohnen zu wollen. Und ich sage genau dazu: Nein!

 

Stell dir vor, du stehst an einer Bushaltestelle. Viele Autos fahren an dir vorbei. Plötzlich rollt ein Fahrzeug sehr langsam an diese Bushalte, der Beifahrer schaut aus dem Fenster auf die Leute, friedliche Menschen, die auf den Bus warten. Alles ganz normal. Doch dann, beginnt der Beifahrer dieses so langsamen rollenden Autos auf eine junge hochschwangere Frau zu schießen und auch auf andere Passanten. Panik bricht aus, viel Blut, viele Tote, viele Schwerverletzte – ein brutaler Terroranschlag.

 

Die hochschwangere junge Mutter befindet sich in Lebensgefahr. Ärzte mussten das Baby nun mit einem Notkaiserschnitt in der 30. Woche auf die Welt holen. Nach mehreren Tagen in kritischem Zustand starb das so süße Baby. Ein wundervoller Junge stirbt, er hatte noch nicht mal einen Namen …

 

Dieses Drama geschah vor ein paar Tagen in Binjamin, vor der jüdischen Ortschaft Ofra. Palästinensische Attentäter schießen auf unschuldige jüdische Israelis, Menschen, die auf den Bus warten und nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause zu ihrer Familie wollen.

 

Wie bewertest du dieses Ereignis?

 

Es gibt Menschen, die das, was ich eben erzählte, mit einem „Sehr gut" bewerten. Menschen, die sich darüber sehr freuen. Menschen, die deswegen Bonbons auf den Straßen verteilen. Menschen, die später dann auch Schulen und zentrale Plätze nach den Namen der Mörder benennen. Und der Staat versorgt diese Mörder und deren Familien ab sofort mit einer fetten monatlichen Rente, mehrere tausend Euros, damit es ihnen ja an nichts fehlt.

 

Hört sich verrückt an?! Ja das ist es tatsächlich, aber Palästinenser feiern solche Taten. So ist das in Palästina.

 

Doch nur zur Klarstellung: nicht der israelische Staat ist so inhuman und bezahlt den Mördern eine Rente! Das macht die palästinische Autonomiebehörde! Die Palästinenser leben schon sehr lange in einer Autonomie – das reicht ihnen nicht, sie wollen einen Staat. Das Gerede von einer Schaffung eines palästinensischen Staates macht mich ohnmächtig, wenn man doch sieht, was hier in deren Autonomie passiert.

 

Während ich gebrochenen Herzens diese Zeilen schreibe, erfahre ich eben von einem erneuten sehr schweren Attentat in Binjamin, nicht weit entfernt von Ofra. Und das ist dann heute schon der zweite sehr schwere Anschlag mit Toten und Schwerverletzten. Erst heute Morgen gab es am Damaskus Gate ein schweres Attentat.

 

Immer wenn ich so etwas schreibe, werde ich auch gefragt, warum ich meine Worte auf Deutsch verfasse. Ich sollte meinen Kummer doch auf Hebräisch formulieren, denn was hat Deutschland hier mit dem Ganzen zu tun? Nicht sonderlich clever empfinde ich dann immer diese Art von Fragen.

 

Aber wisst ihr, ich bin Deutscher. Und ja, ich bin Israeli. Ich lebe in Israel, bin aber aufgrund meiner Tätigkeit als Gemeinderabbiner selbstverständlich auch sehr oft in Deutschland zu Gast. Und dann, immer wenn Freunde aus Deutschland von schrecklichen Attentaten in Israel wie diesen hier hören, welche ich eben aufführte, also von Attentaten, die meist direkt vor meiner Haustür stattfinden, da ich ja mit meiner Familie in Binjamin lebe und mein Büro am Damaskus Gate liegt, dann höre ich sehr oft von besorgten Menschen: „David, wenn du und deine Familie in Gefahr seid, dann steigt bitte sofort in den Flieger! Unsere Tür ist für die Familie Kraus immer offen und das auf unbegrenzte Zeit.“

 

Ja natürlich sind wir hier in Israel und vor allem wo wir unser Leben in Israel in ständiger Lebensgefahr gestalten wegen diesen verrückten palästinensischen Attentätern, die den ganzen Tag nur Juden ermorden wollen. Bitte nicht falsch verstehen, ich sage nicht, dass alle Palästinenser Terroristen sind, aber Fakt ist, dass jeder Terrorist in Israel ein Palästinenser ist, was bedeutet, dass vor allem die palästinensische Gesellschaft hier jetzt auch mal kritisch gefragt ist, indem man von ihr fordert, diese Gewaltausübungen – aus eigenen Reihen – nicht weiter widerspruchslos zu dulden.

 

Und genau hier verbirgt sich auch der Grund, warum ich nicht nach Deutschland ziehe. Ich fühle mich in Deutschland nicht sicher! Ich bin ein Jude, der sein Judentum nicht verstecken kann und das auch nicht will. In Deutschland kann man als Jude mit absoluter Sicherheit nicht frei leben. Nicht wegen den Deutschen, die sind meist alle sehr nett und höflich. Wobei wenn ich mir die Bilder von Chemnitz ansehe, dann bin ich mir meiner Aussage von eben auch nicht mehr ganz so sicher. Wie dem auch sei, den Judenhass, den ich in Deutschland erlebe, der spricht arabisch, türkisch, albanisch etc. Der in Deutschland sehr ausgeprägte Judenhass erscheint größtenteils von islamischer Quelle.

 

Regelmäßig wundert sich die jüdische Gemeinde in Deutschland über den Umgang mit islamistischem und linkem Antisemitismus, für den man hierzulande gerne blind ist. Doch wie sollte man antisemitische Tendenzen im eigenen Land erkennen, wenn man sich weigert, den täglich über sämtliche Propagandakanäle verbreiteten und gewaltbereiten Antisemitismus der Palästinenser zu erkennen?!

 

Ich fühle mich ungern ohnmächtig. Ich habe mich daran gewöhnt mitzureden, mitzuprägen und alles, was mich betrifft, beeinflussen zu können. Dies gilt nicht, wenn es um Judenhass oder den Nahost-Konflikt geht. Die Motive hinter der tendenziösen Berichterstattung sind unklar, die Auswirkungen aber umso schlimmer. Überall Hass. Ich bin für die Unantastbarkeit der Menschenwürde und bete für eine Welt ohne Gewalt. Daher dürfen wir Gewalt, egal in welcher Form, in keinster Weise noch länger tolerieren. Wer Gewalt toleriert, tut Gewalt …

 

Mein Herz ist im Gebet bei den armen verletzten Menschen und all den Hinterbliebenden …

 

NEIN ZU MENSCHENHASS – NEIN ZU GEWALT – NEIN ZU HASS

 

 

David Kraus (M.A in Psychologie und Integrativer Psychotherapie | Dipl. Paar- und Familientherapeut | Dipl. Pädagogischer Elternberater) ist Oberrabbiner der Jüdisch-Chassidischen Kultusgemeinde Breslev Deutschland / Israel mit Sitz in Hanau. David Kraus finden Sie bei Facebook.

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